Physiologie statt Glauben

Shownotes

Ich habe vor Kurzem beim Salzburg Symposium eine Keynote gehalten, komplett auf Englisch, vor einem internationalen Fachpublikum. Das war für mich eine Grenzerfahrung, so etwas hatte ich noch nie gemacht.

Diese Folge ist die deutsche Fassung dieser Rede, ungefiltert, so wie ich sie dort gehalten habe. Es geht um die Frage, worauf wir uns eigentlich stützen, wenn jemand mit seiner Stimme zu uns kommt. Um Konzepttreue, die sich gut anfühlt, aber oft nichts über die richtige Behandlung aussagt. Um eine aktuelle Netzwerk Metaanalyse, die zeigt, keine Schule gewinnt. Und um die Frage, was am Ende wirklich zählt, wenn kein Konzept und keine Studie einem sagen, was genau dieser eine Mensch jetzt braucht.

Danke fürs Zuhören Michael

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Transkript anzeigen

00:00:01: Ein Hallo an euch da draußen.

00:00:03: Schön, dass ihr wieder eingeschalten habt hier zu Stimmkontor ungefiltert.

00:00:08: Am Mikrofon wieder der Micha.

00:00:10: Bist du bereit?

00:00:11: Hast du was zu trinken und was zu snacken?

00:00:13: Sitzt du bequem?

00:00:14: Ja dann können wir anfangen!

00:00:16: Die letzten Folgen waren ganz schön heftig politisch... ...und heute geht's mal wieder zurück zur Therapie- und zum Unterricht.

00:00:25: Ich hab dir etwas mitgebracht wo es um die Therapie und das, was wir dort machen oder den Unterricht geht.

00:00:33: So ganz grundsätzlich!

00:00:34: Und natürlich dreht es sich jetzt bei mir um Stimmtherapie- und Stimmunterricht.

00:00:39: aber auch aus anderen Bereichen wirst du sicherlich etwas mitnehmen können.

00:00:43: Ich habe das so genannt Physiologie statt Glauben Was von meiner Keynote in Salzburg übrig bleibt Denn ich war letzte Woche im Salzburg Ich war eingeladen auf das International Voice Symposium und durfte eine Keynote halten.

00:01:00: Das war komplett auf Englisch, vor einem internationalen Fachpublikum von vielen Menschen die ich bewundere und von deren Arbeit ich schon immer gelesen habe.

00:01:08: Und es war schon ne kleine Grenzerfahrung für mich.

00:01:10: also ich Unterrichter auch ganz oft auf englisch oder Therapierer auf english.

00:01:15: aber so ein Keynote das ist noch meine andere Nummer!

00:01:18: Das ist nochmal auch für mich eine kleine Herausforderung gewesen und Ich möchte gerne die Inhalte für euch hier präsentieren, weil ich diese super wichtig finde.

00:01:29: Und ... Ich hoffe du kannst für dich was mitnehmen?

00:01:32: Weil es ist ein kleines Update!

00:01:35: Ein Update... Für die Stimmtherapie.

00:01:40: und ich muss dich gleich enttäuschen Es wird kein Update im klassischen Sinn.

00:01:45: Ich hab keine neue Übung mitgebracht.

00:01:47: Kein Ranking keinen besten Weg.

00:01:50: Ich habe eine Frage für Dich mitgebracht Worauf stützen wir uns eigentlich, wenn jemand mit seiner Stimme zu uns kommt?

00:01:59: Meine Antwort vorweg.

00:02:01: Damit du genau weißt, wo ich ihn will!

00:02:03: Im Dschungel der Methoden zählt am Ende der Mensch, der vor mir sitzt und die Frage auf das was ich mit ihm mache – auf Physiologie beruht oder auf Glauben?

00:02:15: In unserem Feld gibt es sehr viele nebeneinander bestehende Konzepte und Schulen Manche seit hundert Jahren etabliert andere neu entstanden nennen manche mich eingeschlossen, den Dschungel der Methoden.

00:02:29: Und ich finde das trifft es ganz schön!

00:02:30: Man weiß manchmal gar nicht was da so ein Dickicht aufeinander lauert.

00:02:34: Man kann manchmal gar nichts durchblicken bei manchen Methoden, manche sind zu alt und so fest verankert im Bewusstsein der Stimmwelt, dass sie ... Dass man gar nicht mehr denken kann, dass es sie nicht in diesem Feld gibt.

00:02:50: Und wiederum andere geben uns verschiedene Wege, auf denen wir uns verirren können.

00:02:56: Manche bringen uns dabei im Kreis zu laufen und finden es irgendwie schön, im Krei zu laufen.

00:03:02: Und wiederom andere zeigen uns wichtige Wege durch diesen Dschungel durch.

00:03:07: Was ich sagen will, irrsinnig viele verschiedene Schulen- und Ansätze.

00:03:11: Stellenweise widersprechen sie sich, stellenweise sind sie undurchsichtig.

00:03:14: Und manche scheinen vor allem jetzt noch zu existieren, weil sie voller Traditionen sind.

00:03:19: Aber ... nicht alle diese Konzepte sind alt.

00:03:23: Auch in unserer Stimmwelt gibt es Methoden, die man an drei Dingen erkennen kann – die neu und fancy sind!

00:03:32: Es dreht sich da meistens um eine einzelne Übung, die angeblich überall passt oder es ist etwas Altes in einem neuen Gewand, was man schon längst gesehen hat aber jetzt gibts irgendwie einen neuen Namen dafür… Oder es verspricht ne einfache Antwort auf eine komplizierte Frage Also noch mehr Gewusel und Lianen im Dschungel der Methoden, den wir überhaupt nicht gebrauchen können.

00:03:56: Aber das heißt nicht dass alles Neue eine Mode ist.

00:03:59: Es kommen natürlich immer wieder gute neue Ansätze dazu Perspektiven die uns wirklich weiter bringen.

00:04:07: Ich möchte nur Dass wir einem neuen Weg in unserem Dschunge dieselbe Frage stellen wie einem Jahrhunderte alten Weg.

00:04:17: ich selbst bin in diesem Dschungel ausgebildet worden.

00:04:20: Ich arbeite auch da drin und ich unterrichte auch Teile dieses Dschingels.

00:04:25: Ich möchte aber hier betonen, dass sich nicht gegen die Konzepte von sich spreche.

00:04:29: Die wurden ja mal von klugen Leuten entwickelt.

00:04:32: das ergab Sinn im Wissensstand ihrer Zeit Und es steckt auch sehr viel klinisches Können in diesen Methoden.

00:04:39: Nichts davon möchte ich hier zurücknehmen.

00:04:42: Was mir persönlich zu scharfen macht ist so ein Satz Du vielleicht auch kennst oder vielleicht sogar selbst benutzt, ich hab den Satz auch am Anfang meiner Berufskarriere benutzt.

00:04:52: Pass auf!

00:04:53: Trommelwirbel... Ich bin in dieser Methode ausgebildet worden – oder in diesem Konzept?

00:04:59: Also arbeite ich so.

00:05:02: Als Antwort auf die Frage wo ich stimmtherapeutisch pädagogisch herkomme ist das ein ziemlich guter Satz.

00:05:09: Als antwort auf die frage was diese eine Patient jetzt braucht sagt er mir gar nichts und die Treue zu einer bestimmten Stimmschule fühlt sich bemerkenswert gut an.

00:05:19: Sie fühlt sich an wie Gründlichkeit, Handwerk und Qualität.

00:05:22: Man sieht ihr von Außen nur nicht an, dass sie über die Indikation nichts aussagt.

00:05:29: In meinen Kursen höre ich dann auch noch eine Frage zuverlässiger als jeder andere ... Und es ist nicht die Frage, wie man erkennt was tatsächlich gestört ist.

00:05:38: Es ist die Frage ob ich noch eine Übung dazu habe.

00:05:41: Hast du nicht vielleicht noch ne Übung für mich?

00:05:43: Gibt's nicht noch für diese Störungsbildne Übung?

00:05:45: Welche Übung wirst du da im Grundsätzlich empfehlen?

00:05:48: gibt's dann nicht nur ein Tipp!

00:05:50: Am Ende eines Kurses scheint für viele nur zu zählen wieviele neue Übungen sie mitnehmen können im Köfferchen.

00:05:57: Ich verstehe das ziemlich gut.

00:05:58: Ne Übung ist konkret.

00:06:00: Die kann ich montagmorgen einsetzen.

00:06:03: Physiologie Das kann ich nicht einfach einsetzen.

00:06:06: Physologie muss ich verstehen, das ist deutlich mehr Arbeit!

00:06:10: Wenn du schon mal in einem Kurs von mir warst, ist dir vielleicht schon aufgefallen dass der Herr Helbing sehr darauf bedacht ist, dass man Physologie und Pathophysologie sehr gut nachholziehen kann um dann klinisch zu arbeiten.

00:06:23: Und dass zwar Übungen cool sind aber es auch immer wieder darum geht warum mache ich etwas?

00:06:31: Was kann es uns eigentlich kosten, wenn wir uns eher einem Konzept anvertrauen oder einer Methode anstatt selbst über die Dinge nachzudenken?

00:06:41: Und ich möchte hier nichts sagen.

00:06:42: Das möchte ich wirklich übertonen, dass die Konzepte da alle schlecht sind.

00:06:45: Es geht mir darum, wenn Menschen sehr rigide ihre Therapie- oder in Unterricht nach einem Koncept aufbauen, nach einem Schema oder immer die gleichen Übungen abrufen, anstelle sich zu fragen was sie da eigentlich machen und warum sie das eigentlich machen.

00:07:01: Und ob das, was die da tun überhaupt noch Sinn macht?

00:07:05: Wenn ich nämlich einen Konzert folge, dass die Antwort schon angeblich kennt höre ich irgendwann auf zu fragen Der Glaube ist dann schneller als die Diagnostik.

00:07:15: Da geht denn die Tür auf Die Person kommt rein und sagt was und dann nimmt man gar keinen Stimmfeld und macht gar keine Untersuchung und fängt sofort anzuarbeiten weil man das ja schon mal gesehen hat Weil man er weiß um was es geht.

00:07:27: der Glaube isst dann schneller.

00:07:28: also Diagnostic Das ist mir schon untergekommen, in Supervisionen und Beratungen.

00:07:35: In Wortbildung, wo das Kollegen erzählt haben.

00:07:39: Wo dann monatelang an einer Stimme gearbeitet worden ist und sich nichts verbessert hat?

00:07:44: Und wo darunter eine ganz andere Diagnose gesteckt hat?

00:07:49: An dieser Stelle ist Glaube keine Geschmacksfrage mehr!

00:07:54: Das kann auch im Unterricht passieren, wenn jemand die ganze Zeit einfach nur stupide Gesangsübungen abspult.

00:08:00: Ich habe mal vor Jahren eine Gruppe von GesangspädagogInnen kennengelernt, die alle bei einer Person Unterricht hatten und die Unterrichte sahen immer gleich aus, immer die gleichen Übungen in den gleichen Vorengleichen aufeinander folgenden stupiden Dingen.

00:08:18: Und das hatte überhaupt nichts mit der Entwicklung einer Stimme zu tun!

00:08:23: Aber... Das häufigste Beispiel, das mir begegnet ist die Atemarbeit.

00:08:28: Da wird dann an der Atmung gearbeitet, eine Aufrichtung am Zwerchfell, an der Einatmung und irgendwie scheint unterwegs verloren zu gehen, wofür das eigentlich gut sein soll?

00:08:42: Und ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Atemtechniken!

00:08:44: Ich bilde Atemtherapeuten aus.

00:08:51: Was mir fehlt, ist halt ganz häufig die Verbindung zur Stimmfunktion.

00:08:54: Warum sollte ich jetzt ständig atmen?

00:08:56: Gebt mir einen Impuls!

00:08:58: Warum sollte das tun wenn mein Thema was ganz anderes ist?

00:09:03: Atmung ist für mich eine Voraussetzung... ...für die Stimme Und das wird erst wirksam, wenn ich sagen kann welche konkrete K-Kopffunktion sie unterstützen soll.

00:09:13: Ich persönlich halte nicht mehr so viel daran Wie ich das mal gelernt habe, erst in eine Aufrichtung zu arbeiten dann an Atmung und dann dem Ton.

00:09:21: Ich fange meistens schon mit dem Ton an Denn der Ton kontrolliert ja meinen Atemstrom Zumindest wenn das das Thema ist Wenn Stimmtherapie das Thema is Wo mir diese Verbindung fehlt Da üben wir manchmal etwas Das in sich vollkommen richtig ist wie beispielsweise Tiefatmungen oder Ein langsames Ausatmen mit Lippenbremsen oder Strohhalm.

00:09:43: Aber für die Stimmarbeit Wissen wir nicht eigentlich richtig wofür?

00:09:48: Manchmal hängt es damit zusammen, dass da alte Gedankenmuster dahinter stehen.

00:09:53: Die auch ich beispielsweise noch gelernt habe.

00:09:56: Alte Vorstellungen die sich in unserem Feld extrem hartnäckig halten und das wird bestimmt in der Kommentarspalte auch bemängelt werden, dass ich jetzt hier so herrscht bin aber es ist ungefiltert, es ist mein Podcast.

00:10:07: Da kommen dann bestimmt auch die Kollegen, denen sagen ja aber diese Übung aus dem und dem Konzept.

00:10:18: Die mache ich schon die ganze Zeit und jess danach ist die Stimme immer schön!

00:10:23: Aber eine Übung kann halt auch wirken wenn die Erklärung dahinter komplett falsch ist.

00:10:29: Der Person geht es besser und wir verbuchen das als Beweis für unsere Theorie.

00:10:33: dabei haben wir nur bewiesen dass irgendetwas gewirkt hat.

00:10:37: welcher Teil davon müssen wir gar nicht?

00:10:41: so bleibt jede Erklärungen im Umlauf Egal, wie alt sie ist.

00:10:46: Bei der klinische Erfolg scheint sie jeden Tag aufs Neue zu bestätigen.

00:10:49: Ob es jetzt der therapeutische Kontakt war?

00:10:52: Ob es über die Zeit sich verbessert hat?

00:10:55: Ob das wirklich der Igelball war, der dazu beigetragen hat dass die Stimme besser geworden ist oder irgendetwas anderes vielleicht verbessert worden ist anders gemacht worden ist Das wird manchmal gar nicht hinterfragt.

00:11:10: Wenn wir über Methoden streiten, reden wir meistens aneinander vorbei.

00:11:13: Weil wir drei ganz unterschiedliche Vorwürfe einen Top werfen.

00:11:17: und hier mal meine drei Vorwörfe von Methoden wo wir einfach mal genauer hinschauen müssen.

00:11:24: Der erste betrifft nur die Erklärung.

00:11:26: Die Übung wirkt aber die Begründung dahinter ist achtzig Jahre alt.

00:11:31: Das lässt sich reparieren.

00:11:32: Man sollte immer wieder hinterfragen, stimmt das?

00:11:34: Stimmt dieses Erklärungsmodell?

00:11:36: Ich habe so viele Dinge in der Ausbildung gelernt und auch in Fortbildungen.

00:11:40: Ich hab Dinge unterrichtet die ich heute nicht mehr so unterrichten würde oder nicht mehr sehr.

00:11:44: Weil ich versuche immer wieder zu hinterfragten, stimmt dass ist das outdated?

00:11:51: Ich haben noch gelernt viel einatmen ist wichtig für die Stimme.

00:11:56: Heute mache ich es nicht mehr!

00:11:58: Der zweite Punkt für solche Methoden ist unbequemer.

00:12:01: Es gibt Konzepte, die nie in einer kontrollierten Studie untersucht wurden.

00:12:05: Und ich sage ganz bewusst nicht, dass sie dadurch widerlegt sind.

00:12:09: Ich sage wir wissen es nicht und das ist ein Zustand!

00:12:13: Kein Urteil.

00:12:14: Das heißt wenn man es unbedingt beweisen möchte, dass das an der Methode lag muss man uns untersuchen.

00:12:19: Kostet Geld, kostet Zeit.

00:12:21: Ist ein bisschen aufwendig.

00:12:22: aber man muss vorsichtig sein wenn man sagt es lag an der Methode oder das lag an dem Konzept.

00:12:26: Es gibt so viele Gründe weswegen etwas funktionieren kann und warum es zu einem therapeutischen Erfolg kommt.

00:12:32: Es gibt interessante Studien die ja zeigen dass allein der Kontakt Mit einer Person schon Dinge regulieren kann Oder einen Verändern im häuslichen Umfeld.

00:12:41: Das müssen wir einfach mal im Hinterkopf behalten.

00:12:46: Und der dritte Punkt für Methoden, die man hinterfragen sollte.

00:12:50: Das sind Behauptungen, die sich gar nicht prüfen lassen.

00:12:52: So ich habe eher Energiefluss in Meridian so Schakren ... Ich bin Luna, Solar... Ja also ganz ehrlich, das kann man nicht prügen!

00:13:02: Aber wenn jetzt da draußen jemand ist und sagt ja, Solar-Luna-Theologie, dass gibt es?

00:13:10: Dann müsst ihr folgende Frage einfach mal beantworten Kann man jeden in einem Kurs stellen?

00:13:18: Und diese Frage solltest du dir auch immer wiederstellen, wenn es um deine Arbeit und deine Methoden gibt.

00:13:24: Was müsste ich beobachten, um meine Annahme aufzugeben?

00:13:32: Das heißt, du musst kritisch reflektieren!

00:13:35: Denn jede klinische Entscheidung wird ja nicht dadurch gemacht, dass ich nur Argumente dafür finde.

00:13:42: Ich muss immer auch Argumete gegen eine Methode, gegen ein Konzept finden.

00:13:46: Was spricht dagegen?

00:13:47: Was ist für was ist dagegen?

00:13:50: Aber wenn du darauf keine Antwort hast dann arbeitest du aus Überzeugung!

00:13:57: Das darfst Du haben aber das ist keine Therapie.

00:13:59: Wenn du ne Antwort auf die Frage hast Dann arbeiteste klinisch.

00:14:05: Jetzt möchte ich dir doch ein kleines Update geben.

00:14:08: Jahrzehntelang wurde jeder Ansatz für sich untersucht und hinterher konnte jede Schule sagen, bei ihr sei es besser geworden oder nach dieser Übung ist es besser.

00:14:18: Aber seit ein paar Jahren gibt es Netzwerk-Meteranalysen die die Ansätze gegeneinander stellen.

00:14:23: Die aktuellste stammt aus diesem Jahr.

00:14:26: Vierundzwanzig Therapiekonzepte, dreißig randomisierte kontrollierte Studien, tausend zweihundertzehn Patienten also wirklich eine ganze Menge des Ergebnis zehn der vierundzwanzig Konzepte reduzierten Heiserkeit signifikant.

00:14:41: Und das stärkste Ergebnis kam von keinem einzelnen Konzept, es kam von einer Kombination verschiedener Methoden aus verschiedenen Konzepten.

00:14:50: also zum Mitschreiben keine Schule gewinnt.

00:14:55: und jetzt erspare ich euch irgendwelche Ranglisten zu erzählen weil ich kritisiere ja hier gerade das Propagieren würde jetzt damit ins gleiche Horn blasen, das möchte ich nicht.

00:15:11: Aber ich möchte auch gerne dazu sagen dass diese Meta-Analyse so gut sie ist und wie toll die das zeigt, auch einige Sachen nicht zeigen kann Denn untersucht wurden nur funktionelle Stimmstörungen mit organischen Auswirkungen.

00:15:25: Die Studie sagt nichts über andere Stimmströmungen.

00:15:27: Sie sagt nichts zur Dosierung Nichts über Reihenfolge Und schon gar nichts darüber Wie ich all das dann mit Menschen kombiniere, die bei mir in der Therapie sitzen.

00:15:37: Das heißt, sie zeigt erst mal nur Kombination von verschiedenen Methoden ist der bessere Weg für die Stimmtherapie als eine Methode nachzujagen.

00:15:45: Die Sicherheit der Evidenz ist genau dort am geringsten, wo die Effekte am größten sind.

00:15:51: Die Studie ist demnach nur ein Ausschnitt auf unseren Dschungel der Methoden?

00:15:56: Zeigt aber nicht das ganze Bild!

00:15:59: Wenn aber keine Schule gewinnt und auch keine Meteranalyse mir sagt was ich mit genau diesem einen Menschen mache... Was bleibt dann

00:16:06: übrig?!

00:16:08: Der Mensch Der bleibt übrig.

00:16:11: Es begint damit, dass ich persönlich, Ich mich erheb'ing wenn es um meine Stimmtherapien hier geht vor der ersten Übung wissen will wer mir gegenüber sitzt.

00:16:22: Wie klingt die Stimme?

00:16:23: Wann versagt sie unter welcher Belastung seit wann in welchem Beruf In welchen Körper in welcher seelischen Verfassung und was will dieser Mensch eigentlich zurückbekommen?

00:16:32: Für mich ist an Amnese keine Vorstufe der Therapie.

00:16:35: Sie ist bereits der erste Teil davon.

00:16:37: für mich gehört das ganz Bindend dazu dass der Mensch gesehen wird und sich nicht anfangen, vorher schon Schlüsse zu haben.

00:16:48: Dass ich weiß.

00:16:49: okay da steht hyperfunktionelle Stimmsturm das sind die Übungen, die ich mache oder das ist ein Lehrer Das sind die übungen die ich machen.

00:16:56: nein das passig bei jeder Person an.

00:17:00: Und dann folgt die Diagnostik.

00:17:03: Ich brauche betegebene Daten einen Resonanzprofil, ich möchte eine Spiriumetrie haben.

00:17:14: Ich brauche Daten!

00:17:16: Denn diese Daten geben mir Antworten.

00:17:19: und dann brauche ich Vorbefunde, Medikamenten-Listen um dann daraus zu kristallisieren was ist das Thema?

00:17:29: Und dann geht es darum gibt's ein glottes Schlussdefizit denn da is ja jede Stimmstörung anders.

00:17:34: großes Problem.

00:17:35: was ich einmal habe mit hyperfunktionell Das ist ja so eine Kategorie, die andere Kategorie.

00:17:41: Aber das ist so unterschiedlich von Mensch zu Mensch wie da reagiert wird.

00:17:44: Deswegen ... Ach so ein Thema für einen anderen Podcast!

00:17:49: Aber grundsätzlich guckt man erst mal Klottes-Schloss funktioniert ja.

00:17:52: Wie ist es mit der Resonanz?

00:17:54: Gibt es Probleme in der muskulste Detailenstruktur?

00:17:57: Hab ich ne organische Stimmstörung?

00:17:59: Ist was Funktionelles, was Neurogenis, was Endocrines oder Psychogenes?

00:18:02: Das muss erst geklärt werden und erst danach starte ich.

00:18:07: Und besser zu sein natürlich auch in der Diagnostik und Anamnese.

00:18:11: Dadurch beginnt ja schon die Therapie, das ist eine Intervention.

00:18:15: Der Patient merkt, dem ist das wichtig?

00:18:18: Man lernt vielleicht was über eigene Stimme oder wie die Stimme beeinflusst werden kann.

00:18:23: Das ist ja schon Therapie!

00:18:26: Wenn das alles geklärt ist dann wähle ich mein Werkzeug.

00:18:30: Denn die Frage welche Übung besser ist, lässt sich nicht beantworten solange ich nicht weiß was gestört ist.

00:18:38: Und dafür brauche ich ein fundamentales Wissen, was mir die Person gibt.

00:18:46: Was sich ergründen kann.

00:18:48: und wenn ich jetzt mal so zusammenfassen soll, wo es für mich geht in der klinischen Arbeit und auch im Unterricht?

00:18:55: Für mich steht da immer zuerst die Physologie.

00:18:58: Ich versuche da immer, zu gucken wie verstehe ich Stimme und Wie muss ich das sehen?

00:19:04: und was hat sich zum Beispiel auch verändert in den letzten Jahren?

00:19:07: denn da gibt's immer wieder Neues zu entdecken.

00:19:10: Wie funktioniert Schwingung?

00:19:11: Was macht Luftstrom, wie formt der Vokaltrakt.

00:19:15: Wie funktioniert Akustik?

00:19:18: und dann die Pathophysologie was passiert wenn Stimmlitten lange belastet werden.

00:19:22: Wie reagiert Gewebe das geschädigt wird?

00:19:26: ja und dann fasse ich das alles zusammen Und versuche die Methoden auszuwählen Die Strategien um dann diese Person zu behandeln.

00:19:40: Das ist natürlich mehr Arbeit, als einfach nur eine Fansie schmählen sie Übungen zu lernen oder einen Übungskoffer zu haben, die nicht einfach über der Person ausschütte.

00:19:47: Und ich muss ganz ehrlich sagen das passiert ganz oft im Unterricht.

00:19:50: Das passiert im Stimmunterricht, das passiert in der Sprecherziehung und das passiert auch gerne mal in der Stimmentherapie.

00:19:56: mehr, als man so denkt dass einfach nur Übungs gemacht werden vor allem Übung, die die Personen, die Therapeuten ihnen selbst gern mögen, die einfach sind, die wenig Aufwand benötigen?

00:20:07: Aber so ist nicht der Weg!

00:20:09: Ich höre dann auch immer wieder, das ist doch auch therapeutisches Bauchgefühl.

00:20:13: Nee!

00:20:14: Ist es nicht.

00:20:15: Bauch-Gefühl heißt ich mache was weil es sich richtig anfühlt und zu mir passt.

00:20:20: Klinisches Denken heißt ich habe eine physiologische Hypothese darüber was gestört ist.

00:20:25: Oliver Frischknecht hatte ich in meinem anderen Podcast im Stimmkontor Podcast und er hat darüber gesprochen über Stimmentherapeutischen Hypothesen und das finde ich super wichtig.

00:20:39: Das ist, wenn wir so wollen ein systematisches Einzelfarexperiment.

00:20:44: Und wenn wir es sauber durchführen, ist das Beste was wir genau für diese eine Person je haben können.

00:20:51: Der Preiste für dir ist hoch!

00:20:54: Das muss ich halt aushalten Wenn ich ein gutes Ergebnis haben will.

00:20:58: Wer nur Mist oder nur Dinge tut Um bestätigt zu werden im eigenen Denken Der wärme ihn gar nichts.

00:21:05: Neues wissen Ist natürlich schöner Dinge zu machen.

00:21:10: Ich höre dann immer wieder, das ist Tradition oder es hat sich bewährt.

00:21:14: und da ich sage so hm... Ist es denn so hilfreich nur Tradition nachzujagen?

00:21:18: Sind die Traditionen gut?

00:21:21: Bringen sie mich weiter!

00:21:23: Oder halten Sie mich auf genauso wie neue Sachen?

00:21:26: Brigen Sie mich

00:21:27: weiter?!

00:21:29: Oder halten sie mich auf ganz wichtig drüber nachzudenken.

00:21:34: mache ich Dinge weil sie bequem sind oder weil sie korrekt sind?

00:21:39: Das kann ich ja auch auf die Schlucktherapie übertragen.

00:21:42: Ich habe dir heute keine neue Methode empfohlen und... ...ich hab jetzt nicht den besten Weg mit diesem Konzept gezeigt, das bin ich überhaupt nicht!

00:21:57: Das würde ich nicht machen.

00:21:59: Ich wurde mal gefragt von einer Kollegin ob ich nicht mal meinen Konzept verschriftlichen will und dann so ein Kurs mache irgendwie das Helbing-Konzept?

00:22:07: Nö!

00:22:09: Kennt ihr Stimmstörungen?

00:22:11: Und so geht die Physologie und so wählst du aus.

00:22:14: Das, was ich jetzt schon mache vielleicht als großen Kurs, das könnte ich mir überlegen aber ich würde niemals machen die Helbing-Methode.

00:22:20: Davon habe ich nix!

00:22:23: Ich möchte ja dass Menschen in der Therapie und im Unterricht kritisch reflektiv denken und vielleicht doch mal sagen diese Übung, die ich bei Micha gelernt hab, ist bei dieser Person nicht geeignet.

00:22:33: Aber diese Übung...die, die sich bei Katharina Feldmann gelernt hat, die ist geeignete oder die ich selbst entwickelt habe, die Wenn wir darüber sprechen wollen, wofür ich ja eigentlich eintretete sind es drei Sachen.

00:22:45: Mal wieder drei Sachen!

00:22:47: Arbeitet informiert Also wissen woher unsere Annahmen kommen und wie alt sie sind oder warum ich die Annahme habe?

00:22:56: Kritisch arbeiten also bei jeder Behauptung auch bei der eigenen Behauptungen fragen was sie zu Fall bringen könnte.

00:23:04: Also reflektiert so sein draufzuschauen Was wir tatsächlich tun, nicht nur darauf was man uns beigebracht hat.

00:23:12: Das ist ganz wichtig.

00:23:13: dieser letzte Punkt auch wenn du in meiner Fortbildung warst und es ist toll wenn du an meinen fortbildungen bist ich verdiene damit mein lebensunterhalt und versuche irgendwie die stimmtherapeutische pädagogische landschaft mitzugestalten ist toll.

00:23:28: aber du musst doch hinterfragen wenn ich dir etwas beibringer mindestens hinter fragen ob das jetzt für diese personen in ihrer verfassung das richtige ist Und jetzt für all diese Menschen da draußen am Schwitzen sind, weil ich ja so gegen Konzepte rede.

00:23:42: Konzepten sind nicht unsere Gegner!

00:23:44: Nein!

00:23:45: Sie geben uns Struktur, die geben uns eine gemeinsame Sprache, sie geben uns ganz viel gerade den Menschen, die gerade anfangen in Therapie und Unterricht.

00:23:54: Und keiner von uns mich eingeschlossen arbeitet davon.

00:23:57: Schwierig ist es wenn ein Konzept nicht mehr hinterfragt werden darf Wenn das das allumfassende Konzept ist oder wenn dann gesagt wird, dass sind die Stimmexperten wie auch immer.

00:24:08: Deshalb ende ich lieber hier mit einer Einladung statt mit einer Abrechnung.

00:24:13: Es gibt in unserem Feld eine ganze Reihe von Konzepten, die nie untersucht wurden.

00:24:17: Das ist kein Urteil!

00:24:19: Das heißt nur wir wissen's halt noch nicht.

00:24:21: Wer also will, dass sein Konzept ernst genommen wird der sollte es untersuchen lassen oder reflektiv klar darüber sprechen Dass es da halt auch Dinge gibt, die man kritisch sehen muss.

00:24:32: Es gibt bei allen Dingen.

00:24:35: Und am Ende, da sitzt weder eine Methode noch ne Meta-Analyse vor uns oder ein Konzept?

00:24:42: Da sitzt nen Mensch mit nem Namen in der Behandlung oder im Unterricht und darauf kommt es an auf den Menschen, der mir gegenüber sitzt – und die Frage ob das was ich mit ihm mache auf Physiologie beruht oder aufglauben!

00:24:58: Danke fürs Zuhören.

00:24:59: wir hören uns nächste Woche hier wieder bei Stimmkonto ungefiltert bis zum nächsten Mal.

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