Was unterscheidet PTBS von der komplexen PTBS?

Shownotes

⚠️ WICHTIGE TRIGGERWARNUNG: In dieser Episode geht es um PTBS und komplexe PTBS. Wir sprechen über Belastungsreaktionen wie Flashbacks, emotionale Taubheit und chronischen Dauerstress. Bitte achte beim Hören sensibel auf deine Grenzen. Hilfsangebote findest du ganz unten.

Nachdem wir letzte Woche den Begriff „Trauma“ vom Social-Media-Müll befreit haben, gehen wir heute einen Schritt weiter: Was passiert, wenn diese Wunde im Nervensystem chronisch wird? Wir beleuchten die Unterschiede zwischen der klassischen PTBS (nach einem einmaligen Extremereignis) und der komplexen PTBS (nach jahrelangem Ausnahmezustand).

ℹ️ Wichtige Hilfsangebote & Anlaufstellen ℹ️ Wenn dich die Themen dieser Folge belasten oder du akute Unterstützung suchst, wende dich bitte an professionelle Stellen: TelefonSeelsorge (Deutschland): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos und rund um die Uhr erreichbar) Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533 Bei akuten psychischen Krisen oder Notfällen wende dich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notruf (112).

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Transkript anzeigen

00:00:01: Ein Hallo an euch da draußen, schön dass ihr wieder eingeschaltet habt hier bei Stimmkontor ungefiltert.

00:00:10: Das Wetter ist ja dieser Tage wirklich wechselhaft!

00:00:13: Ich hatte erst vor zwei Tagen das Gefühl es ist Herbst.

00:00:16: jetzt klettern die Temperaturen schon wieder nach oben.

00:00:20: Es ist gerade zwanzig Grad und wird auch die nächsten Stunden und Tage bis zu dreihunddreißig Grad warm werden.

00:00:28: also Ich wollte schon sagen, holt euch ein Tee oder einen Kaffee.

00:00:31: Vielleicht holen wir uns alle eine kühle Limonade, ein kaltes Getränk oder ein Eis um die Podcastfolge so richtig entspannt genießen zu können.

00:00:42: Letzte Woche haben wir den Begriff Trauma sauber eingeordnet und vom Social Media Kontext schon etwas abgegrenzt.

00:00:50: Wir haben gelernt Eine schmerzhafte Lebenskrise wie eine Scheidung ist eine psychosoziale Belastung.

00:00:57: Aber ein Trauma hinterlässt eine nachweisbare Wunde im Nervensystem.

00:01:03: Heute möchte ich mit euch einen Schritt weitergehen und uns anschauen, was passiert wenn die Wunde chronisch wird?

00:01:10: Es geht um die beiden Störungsbilder PTBS also die posttraumatische Belastungsstörung und die komplexe PTBS auch K-PTBS genannt.

00:01:24: Bevor wir einsteigen, direkt wieder ein wichtiger Hinweis.

00:01:28: Das ist eine ernst gemeinte Triggerwarnung!

00:01:31: Wir sprechen heute sachlich und unbeschönigt über Belastungsreaktionen wie Flashbacks, emotionale Taubheit oder chronischen Dauerstress.

00:01:41: Wenn du merkst dass ich diese Themen aktuell belastend auf dich auswirken dann überspringe die Folge bitte.

00:01:47: Achte auch deine eigenen Grenzen und deine aktuelle Belastbarkeit.

00:01:53: Um Störungsbilder zu verstehen, müssen wir sie kennenlernen, definieren und auch Unterschiede in Begrifflichkeiten betrachten.

00:02:03: Bei diesen beiden Störungbildern geht es um die Unterscheidungen zwischen einem einmaligen Extremereignis und einem jahrelangen Zustand.

00:02:14: Bei der klassischen PTBS liegt meistens ein einzelnes zeitlich begrenztes Ereignis vor.

00:02:22: Das kann ein schwerer Verkehrsunfall sein, ein Überfall oder eine Naturkatastrophe.

00:02:28: Das System wird in diesem Moment komplett überfordert und das Gehirn kann das Erlebte danach nicht als abgeschlossen in den Ordner Vergangenheit einsortieren.

00:02:38: Für das Nervensystem läuft die Bedrohung im Hintergrund weiter.

00:02:45: Die komplexe PTBS hingegen ist das Resultat von einem jahrelangen chronischen Ausnahmezustand.

00:02:53: Sie entsteht durch langanhaltende, sich ständig wiederholende Erfahrungen aus denen es für die Betroffenen kein Entkommen gab.

00:03:01: Wir reden hier von Erlebnissen in der Kindheit und Jugend wie emotionaler, körperlicher oder sexueller Gewalt, schwerer Vernachlässigung oder dem Aufwachsen in einem bedrohlichen Umfeld – auch Kriegserfahrungen oder andere lange erhaltene, schwere belastende Situationen können darunter zählen!

00:03:23: Das kann natürlich auch im erwachsenen Alter ebenfalls noch stattfinden.

00:03:28: Weil diese Taten meistens von nahen Bezugspersonen ausgehen oder von einem nahem Umfeld, aus dem man sich nicht entziehen kann, spricht man ganz oft von Bindungs- oder Beziehungstraumataar.

00:03:42: Schauen wir uns die statistischen Zahlen an um die Dimension mal zu begreifen.

00:03:46: Über die Hälfte aller Menschen weltweit wird im Laufe des Lebens mindestens einmal von einem potentiell traumatischen Ereignis konfrontiert.

00:03:55: Aber nicht jedes Trauma führt zu einer psychischen Erkrankung.

00:04:00: Rechnet man alle Traumarrten zusammen, entwickeln im Schnitt etwa zehn Prozent der betroffenen Menschen danach eine PTBS?

00:04:10: Die weltweite Lebenszeitwahrscheinlichkeit liegt statistisch bei rund acht Prozent.

00:04:15: Das Risiko ist bei von Menschen verursachten Gewalttaten am höchsten.

00:04:20: Nach einer sexuellen Übergriff oder nach Kriegserfahrungen erkrankt bis zu einem Drittel der Betroffenen.

00:04:30: Die Symptome der klassischen PTBS zeigen sich meistens in drei typischen Bereichen.

00:04:35: Der erste Bereich ist das ungewollte Wiedererleben.

00:04:39: Das sind Quellen der Erinnerungen oder Flashbacks, die sich tagsüber unkontrolliert aufträngen und Albträume in der Nacht sind.

00:04:48: Ausgelöst wird das oft durch winzige Schlüsselreize – sogenannte Trigger!

00:04:54: Das kann ein bestimmter Geruch, ein Geräusch oder ein Bild sein, dass das Gehirn sofort wieder in die damalige Situation zurückwirft.

00:05:04: Der zweite Bereich ist das Vermeidungsverhalten.

00:05:07: Weil die Erinnerungen so belastend sind, versuchen Betroffene alles zu umgehen was an das Trauma erinnern kannte.

00:05:14: Bestimmte Orte, Menschen oder Gespräche.

00:05:18: Das führt im Alltag oft zu einer spürbaren emotionalen Taupeit.

00:05:23: Es entsteht eine Gleichgültigkeit Teilnahmslosigkeit gegenüber der eigenen Umgebung und den Mitmenschen.

00:05:30: Manchmal führt es sogar dazu dass wichtige Aspekte des Erlebnisses gar nicht mehr erinnert werden können.

00:05:38: Wir sprechen hier auch von dissoziativen Zuständen, auch depressiven Episoden oder anderen Symptomen die mit Vermeidungsverhalten und auch Gefühlen von Scham und Schuld einhergehen können.

00:05:53: Der dritte Bereich betrifft die rein körperliche Ebene – Die Dauererregung!

00:05:59: Weil das Nervensystem nach einem Trauma überreizt ist befindet sich der Körper in einem primpermanenten Alarmzustand.

00:06:05: Das äußert sich in Beschwerden wie Schlafstörungen Reizbarkeit Konzentrationsschwierigkeiten und einer dauerhaften erschöpfenden Wachsamkeit.

00:06:15: Man scannt die Umgebung ununterbrochen auf Gefahren ab, das dauerhaft überlastete System zieht im Verlauf häufig weitere Belastungen nach sich wie Depressionen oder Angststörungen.

00:06:31: Bei der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung kommt zu diesem Paket noch ein tiefgreifender Nachschlag hinzu.

00:06:39: sie umfasst die eben genannten Symptome bringt aber drei zusätzliche Dimensionen mit.

00:06:46: Erstens eine massive Störung der Gefühlsregulation, das Nervensystem kennt quasi nur noch zwei Zustände, totale emotionale Überflutung oder der komplette emotionale Shutdown wo man gar nichts mehr wahrnehmen kann also zwei ganz große emotionale Extreme.

00:07:05: Zweitens führt die komplexe posttraumatische Belastungsstörung zu einem chronisch negativen Selbstbild durch die jahrelange ein Erfahrung, vielleicht auch durch.

00:07:15: Gefühle von Schuld, Scham brennen sich tiefe Gefühlen von Minderwertigkeit oder permanentem Versagen in die Identität ein.

00:07:25: Drittens entstehen gravierende Schwierigkeiten in Beziehungen.

00:07:29: Wenn die eigene Bezugspersonen – die Täter beispielsweise waren – kollabiert das Urvertrauen.

00:07:34: Nähe zu anderen Menschen fühlt sich für das Nervensystem plötzlich bedrohlich an.

00:07:39: Gleichzeitig löst des Tanz aber Verlustängste aus!

00:07:42: Das ist ein einsamer Kreislauf.

00:07:48: An diesem Punkt wird es für uns relevant, eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung ist kein rein psychologisches Phänomen.

00:07:56: sie manifestiert sich physisch in der Muskulatur und das kann beispielsweise auch an der Stimme wahrgenommen werden.

00:08:03: Wenn ein Mensch über Jahre in Angst gelebt hat verändert sich die gesamte körperliche Situation.

00:08:09: Der Muskeltonus kann dauerhaft erhöht sein Der Körper geht in einen unbewussten Schutzreflex.

00:08:16: Das hat unmittelbar Auswirkungen auf das Atomuster, der Atmung kann schnell hektisch hyperventilativ oder chronisch flach sein.

00:08:27: Das kann sich dann auch in einer sogenannten psychogenen Stimmstörung auswirken, auf die wir in den folgenden Folgen noch mal genauer eingehen wollen.

00:08:38: Grundsätzlich muss man sagen, Stimm- störungen entstehen selten durch psychiatrische Erkrankungen.

00:08:45: Sie sind existent, die sogenannten psychischen oder psychogen Stimmstörungen.

00:08:49: Aber es ist sehr selten so dass eine psychische Erkrankung eine Stimmströrung hervorruft.

00:08:56: Es ist eher so das wir eine Stresssituation erleben und sich das auf meinen Stimmgebrauch auswirkt Oder ich einen kontraproduktiven Stimmgebrauch habe Und der sich dann auf meine psychische Situation auswirken kann.

00:09:10: In der Regel haben wir organische neurologische oder funktionelle Schwierigkeiten, Störungen die Stimmstörung hervorrufen.

00:09:20: Aber bei einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung und manchmal auch bei einer Posttraumatschen Belastungstörung kann es zur Auswirkung auf die Stimmpfunktion kommen beispielsweise mit totaler Tonlosigkeit oder einem verändertem Stimmklang bei einer eigentlich organisch neurologisch und funktionell einwandfrei funktionieren Stimme.

00:09:45: Beide Formen dieser Trauma-Volgestörung sind psychotherapeutisch behandelbar.

00:09:51: Die Wissenschaft hat dir einen wichtigen Schritt gemacht, früher dachte man fälschlicherweise, man müsste Betroffene direkt nach dem Ereignis Akut zum Reden zwingen.

00:10:00: Heute weiß man dass diese erzwungende Akutgespräche die Traumantisierung oft sogar noch verschlimmern kann.

00:10:06: Die Methode der Wahl ist heute eine traumafokussierte Psychotherapie wie spezialisierte Verhaltenstherapie.

00:10:14: Gerade bei der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung steht dabei extrem lange die Stabilisierung im Vordergrund.

00:10:21: Bevor man überhaupt daran denkt, an die alten belastenden Erinnerungen anzugehen muss das Nervensystem hier und jetzt lernen wie sich ein Zustand von echter Sicherheit anfühlt.

00:10:31: Es geht darum den eigenen Körper wieder als sicheren Ort bewohnbar zu machen.

00:10:37: Man darf aber nicht vergessen beide Erkrankungen können chronisch sein und bleiben.

00:10:42: Und gerade die komplexe posttraumatische Belastungsstörung kann dazu führen, dass wir von einer Neurodiversität sprechen.

00:10:49: Das heißt das Gehirn in seiner Funktion anders fungiert.

00:10:54: um es mit dem Worten eines von mir befreundeten Psychiater zu sagen eine PTBS oder KPTBS ist wie Rheuma.

00:11:02: Es ist eine chronische Erkrankung Die das Leben begleitet und sogar manchmal auch mit bestimmt Und Therapie unterstützt diese Menschen, im Hier und Jetzt die bestmögliche Teilhabe zu erleben.

00:11:18: Unsere Gesellschaft hat die Aufgabe, Barrieren abzubauen um Menschen mit diesen Erkrankungen von außen zu unterstützen damit sie Teil unserer Gesellschaft sind.

00:11:30: Das war der fachliche Überblick über die PTBS und die komplexe PTBS.

00:11:37: In den nächsten Folgen gehen wir mal ein bisschen in eine andere Richtung.

00:11:42: Ich möchte über einen Symptomkomplex sprechen, den wir ganz oft in diesen Trauma-Volgestörungen erleben und zwar die dissoziativen Symptome.

00:11:54: Das hat einen ganz wichtigen Hintergrund und zwar habe ich diese Podcastfolgen gemacht.

00:12:00: wegen der Psychogen-Dysphonie Und psychogene dysphonien können wir zu dissoziativen Bewegungsstörungen zählen und deswegen möchte ich gerne euch in der nächsten Woche erklären, was eigentlich eine Dissoziation ist.

00:12:13: Was sie mit ptbs kpts und trauma zu tun hat.

00:12:16: Und was für verschiedene Arten es da gibt.

00:12:21: achte auf dich.

00:12:22: danke dass du zugehört hast.

00:12:24: vielleicht schreibst du mal in den die kommentare warst Du von unserer heutigen folge denkst und ich freue mich auf nächste woche.

00:12:31: bis dahin Alles Gute!

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