Was ist ein Trauma?
Shownotes
⚠️ WICHTIGE TRIGGERWARNUNG Diese Episode befasst sich explizit und tiefgehend mit den klinischen und neurobiologischen Facetten von Traumata und psychischen Belastungsreaktionen. Dabei werden auch die Entstehungskontexte wie Unfälle, schwere Erkrankungen sowie interpersonelle, körperliche und psychische Gewalt benannt. Sollten diese Themen bei Ihnen akute Belastungen, Retraumatisierungen oder intensive emotionale Reaktionen auslösen, überspringen Sie diese Folge bitte oder hören Sie sie nur in einem stabilen Umfeld. Achten Sie konsequent auf Ihre persönlichen Grenzen. Professionelle Hilfsangebote und telefonische Anlaufstellen finden Sie direkt in den Shownotes.
Hallo an euch da draußen!
Heute starten wir eine neue Themenreihe, die mir schon lange unter den Nägeln brennt. Es geht um den Begriff „Trauma“. Wenn man sich auf Instagram oder TikTok umschaut, hat man das Gefühl, dass das Wort zur Modediagnose für jede alltägliche Unannehmlichkeit mutiert ist. Aber wenn alles ein Trauma ist, ist es am Ende nichts mehr. Das tut den Menschen, die mit den realen, schweren Folgen einer echten Traumatisierung zu kämpfen haben, Unrecht. Wir holen das Thema raus aus der Social-Media-Bubble. Wir schauen uns an, was eine schmerzhafte Lebenskrise (wie eine Scheidung oder ein Jobverlust) von einem Trauma unterscheidet.
Danke fürs Zuhören! Dein Michael
ℹ️ Wichtige Hilfsangebote & Anlaufstellen ℹ️ Wenn dich die Themen dieser Folge belasten oder du akute Unterstützung suchst, wende dich bitte an professionelle Stellen: TelefonSeelsorge (Deutschland): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos und rund um die Uhr erreichbar) Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533 Bei akuten psychischen Krisen oder Notfällen wende dich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notruf (112).
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Transkript anzeigen
00:00:00: Ein Hallo an euch da draußen.
00:00:03: Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt hier bei Stimmkontor ungefiltert!
00:00:09: Ich bin wieder alleine zu hören und freue mich das wir eine neue Reihe hier bei stimmkonto-ungefiltered starten möchte mich aber nochmal bedanken für den großen Zuspruch über die Folgen zum MEcFS Awareness Month.
00:00:27: Da habe ich ja Interview basiert in den letzten Wochen, den Podcast gestaltet einfach zur Aufklärungsarbeit für dieses wichtige Thema.
00:00:37: Die Gespräche mit den Betroffenen und auch mit den Fachleuten haben wirklich vielen von euch gefallen und haben natürlich auch Augen geöffnet, haben Fragen beantwortet neuer aufgeworfen.
00:00:50: Das war eine ganz wichtige Angelegenheit für mich Als Multiplikator, als Therapeut in diesem Bereich und deswegen vielen Dank dass ihr es geteilt habt.
00:01:01: Dass ihr darunter kommentiert habt das ihr Nachrichten geschrieben habt also immer weiter so.
00:01:07: Aber es zeigt natürlich auch dass gerade diese Erkrankung noch viel mehr Sichtbarkeit braucht.
00:01:14: So jetzt wenden wir uns ab heute und in den nächsten Wochen einem anderen Thema zu.
00:01:21: Ich stelle den Begriff Trauma ganz bewusst in das Zentrum der kommenden Episoden.
00:01:28: Auch dieses Thema wird immer wieder diskutiert, braucht viel mehr Sichtbarkeit und auch viel mehr Akzeptanz.
00:01:37: Wir betrachten dieses Phänomen in den nächsten Wochen recht ausführlich differenziert – ich versuche es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten!
00:01:47: Mir wichtig abseits von oberflächlichen Phrasen oder zu vereinfachenden Narrativen.
00:01:55: Es geht um funktionierende Strukturen, um die Auswirkungen von Trauma auf den Körper das Nervensystem und um die Frage wie ein würdevoller und professioneller Umgang damit aussieht.
00:02:08: Was kann ich tun?
00:02:11: Was kann Ich TUN damit es letztendlich besser gehen kann!
00:02:18: Vorab schicke ich direkt ganz wichtige ernstgemeinte Triggerwarnung.
00:02:23: In dieser und den folgenden Episoden geht es explizit um Trauma, Traumafolgestörung und psychische Belastungsreaktionen.
00:02:33: Wir gehen hier wirklich in die Tiefe und beleuchten die neurobiologischen, psychologischen Facetten sehr genau.
00:02:39: Es wird um Symptome gehen.
00:02:40: Ich werde Ursachen ansprechen Folge-Reaktionen Mögliche Therapieoption aus der Sicht einer logopädischen Fachkraft ein auf der Sicht eines Dozenten.
00:02:52: Bitte hier noch mal ganz wichtig, es ist eine Triggerwarnung.
00:02:56: Wenn dieses Thema zu viel für dich ist gar kein Problem!
00:03:00: Es gibt andere Folgen die dir gefallen werden, die du nachhören kannst oder in ein paar Wochen.
00:03:06: dann gibt es natürlich wieder auch andere Themen.
00:03:09: Pass bitte auf dich auf und wenn du jetzt sagst ah das passt was krieg ich hin?
00:03:14: Und du merkst da beim hören das ist doch ganz schön heftig.
00:03:18: Dann schau auf deine Belastbarkeit nimm dir pausen Und vielleicht ist das vielleicht eher zu einer anderen Stelle dran, diesen Podcast zu hören.
00:03:28: Hast du jetzt alles was du brauchst?
00:03:30: Vielleicht musst du noch was zu trinken holen, dich nochmal richtig hinsetzen oder das Endgerät etwas lauter stellen damit du das beim Autofahren gut hören kannst?
00:03:41: Gut dann legen wir jetzt los!
00:03:44: Der Begriff Trauma der polarisiert in den sozialen Medien extrem stark.
00:03:50: Manchmal habe ich beim Skreuen das Gefühl, dass das Wort inflationär benutzt wird und manchmal zu einer Modediagnose verkomnt für Unternehmlichkeiten des Alltags.
00:04:03: Da wird jede schlechte Erfahrung sofort zu einem Traume erklärt – und das ganze Spektrum an psychischen Belastungsreaktionen landet dann in einem großen Topf.
00:04:14: Gleichzeitig wird es dann kontrovers diskutiert während die echte Trennschärfe die wir brauchen, vollkommen verloren geht.
00:04:23: Wenn am Ende alles ein Trauma ist, ja dann bedeutet das gar nichts mehr und genauso diese oberflächliche Herangehensweise tut den Menschen, die tatsächlich mit Folgenschwerer Traumatisierung leben, unrecht!
00:04:38: Wir holen hier aus der Social Media Bubble heraus und schauen uns die realen Strukturen dahinter an.
00:04:45: Dazu gehört für mich auch ein ganz klare Disclaimer – ich bin kein Psychiater Ich bin kein psychischer Psychotherapeut.
00:04:54: Ich stelle hier keine medizinischen Diagnosen, ich bin Atemsprech- und Stimmlehrer, Dozent, Sprecher, Sänger, Stimmpädagoge.
00:05:03: In diesem Bereich kenne ich mich gut aus.
00:05:06: Ich kenne mich auch im Bereich der Neuropsychiatrie in meinem Wirkungsfeld aus.
00:05:11: Und aufgrund von beruflichen Erlebnissen, auf Grund von klinischer Praxis Menschen die zu mir kommen mit Traumafolgeerkrankungen mit psychogen Stimmstörungen oder die einfach zusätzlich zu einer logopädischen Diagnose, oder zusätzlich Zu einem stimmlichen Anliegen auch noch Träumerstörungen haben.
00:05:33: Kenne ich diese Perspektive aus klinischer Sicht und kenne mich natürlich mit den Hintergründen aus weil ich es in verschiedenen Fächern schon unterrichtet habe Und Weil Ich Im privaten Umfeld Auch Menschen Kenne Die von einer Trauma-Volgestörung betroffen sind.
00:05:54: Wenn ich heute und in den nächsten Folgen über die tiefen neurobiologischen und psychologische Hintergründe spreche, fußt dieses Wissen ganz klar auf der fachlichen Arbeit, den Studien und Expertise anderer Fachleute, die sich damit beschäftigen, das auch diagnostizieren.
00:06:11: Und ich habe es für dich zusammengesammelt ... und jetzt hier wiedergegeben.
00:06:16: Das ist mir wichtig, woher das letztendlich kommt!
00:06:21: Aber Jetzt setzen wir mal die fachliche Brille auf und fragen uns, was ist eigentlich ein Trauma?
00:06:28: Das Wort kommt aus den Griechischen und bedeutet übersetzt ganz schlicht Wunde.
00:06:33: In der klassischen Medizin sprechen wir von einem Trauma wenn sich jemand bei einem Unfall einer körperlichen Verwundung oder Verletzung durch eine Gewalteinwirkung zuzieht.
00:06:44: In Psychologie- und Neurobiologie nutzen wir das Wort im Grunde genauso für eine seelische Verletzungen die mit einer starken psychischen Erschütterung einhergeht und durch sehr verschiedene Erlebnisse hervorgerufen werden kann.
00:06:59: Da sieht man schon, dass in der Definition es auch hier schon bisschen unsauber ist, weswegen dann auch immer wieder kontroverse Diskussionen aufkommen können.
00:07:10: Wissenschaftlich definiert man einen Trauma als ein vitales Diskrepanzerlebnis.
00:07:16: Die Diskrepans zwischen einem bedrohlichen oder als bedrohlich erlebten Ereignis und den individuellen Möglichkeiten, das Erlebte zu verarbeiten.
00:07:27: Es klafft in einer bestimmten Situation eine gigantische lebensbedrohliche Lücke zwischen einem Ereignis da draußen und den Ressourcen die in einem Moment dem sich entgegenstellen können.
00:07:44: Man wird komplett überwältigt!
00:07:46: Man erlebt Gefühle von absoluter nackter Hilflosigkeit schutzloser Preisgabe Und genau dieser Moment bewirkt eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis.
00:07:59: Auf TikTok oder Instagram wird im Moment gefühlt vieles, fast sogar alles zu einem Trauma deklariert.
00:08:07: Eine Trennung, ein Verlust von einen Job – wenn der Vorgesetzte sich schlecht benimmt, sich jemandem schlecht anspricht, soll das immer gleich ein Trauma sein?
00:08:19: Verstehe mich hier nicht falsch!
00:08:20: Das sind schmerzhafte Miese Lebensereignisse, Scheidungen, Trennungen, persönliche Schmähungen.
00:08:28: Aber fachlich – medizinisch gesehen ist ein Trauma enger gefasst!
00:08:33: In den klinischen Klassifikationssystemen wie dem ICD-X sprechen wir von einem belastenden Ereignis oder einer Situation kürzerer oder längerer Dauer mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen
00:08:50: würde.".
00:08:51: Wir reden hier im Allgemeinen von Ereignissen wie schweren Unfällen, lebensbedrohlichen Erkrankungen, Naturkatastrophen.
00:08:59: Aber auch von Erfahrungen erheblicher, psychischer, körperlicher, sexueller oder auch sexuellisierender Gewalt – das kann beispielsweise auch öffentliche Darstellungen betreffen, das kann auch Mobbing betreffend Kampfeinsätzen, Terrorismus, schwerer Verlust, Vernachlässungserfahrungen... Wenn wir dann jede alltägliche Lebensbelastung als ein Trauma bezieht, verwestern wir den Begriff.
00:09:26: Und ich denke es ist klar nach den Punkten die ich gerade genannt habe was unter Trauma zu verstehen ist.
00:09:33: Ich finde das extrem gefährlich weil wenn wir Begriffe verwässern dass echte tiefe Leid von Menschen die mit dem realen Folgen schwerer Traumatisierung zu kämpfen haben völlig unsichtbar machen.
00:09:47: Jeder Mensch nimmt Ereignisse.
00:09:48: völlig unterschiedlich war.
00:09:50: Was den einen Menschen aus der Bahn wirft, lässt die anderen vielleicht kalt.
00:09:55: Unsere psychische Widerstandsfähigkeit – unsere Resilienz ist individuell und natürlich kann eine hässliche Scheidung ein schwerer Jobverlust oder ein tiefer Vertrauensbruch eine massive existenzielle Lebenskrise hervordüsen.
00:10:11: Es ist eine enorme psychische Belastung Ein kritisches Lebensereignis das uns emotional komplett an den Abgrund führen kann.
00:10:20: Aber eine Krise ist fachlich gesehen etwas anderes als ein Trauma.
00:10:27: Bei einer Krise sind wir gefordert, wir trauern und kämpfen aber unser Gehirn ist meist noch in der Lage die Erfahrung als zusammenhängende Geschichte abzuspeichern.
00:10:37: Wir bleiben handlungsfähig wenn auch manchmal das Monate bis Jahre dauern kann um etwas zu verarbeiten – wenn halt dann unter Schmerzen!
00:10:49: Ein Trauma hingegen sprengt das System.
00:10:53: Ein Traumar musste dir vorstellen, ist wie eine absolute Ohnmacht bei der die normale Informationsverarbeitung im Gehirn komplett kollabiert.
00:11:01: Wenn wir also von Scheidung oder Trennung sprechen reden wir meistens – im klinischen Sinne – von schweren Lebenskrisen und psychosozialen Belastungen.
00:11:10: Und das schmäler den Schmerz dieser Erfahrung um kein bisschen!
00:11:14: Es gibt ihnen nur einen psychologisch korrekt Namen….
00:11:19: Wie reagiert das System auf neurobiologischer und physischer Ebene bei einem Trauma?
00:11:26: Ein Trauma ist kein rein kognitives Phänomen.
00:11:29: Es führt zu einer massiven biologischen Reaktion im Körper.
00:11:34: Wenn so ein extremes Ereignis einschlägt, kommt es durch die massive Ausschüttung von Hormonen zur einer chronischen Überlastung des hormonellen Stresssystems.
00:11:44: Patientinnen zeigen eine dauerhaft erhöhte Aktivität Nordadrenergenen-Systems.
00:11:51: Es wird sehr viel Cortisol ausgeschüttet, das läuft permanent im Hintergrund auf Anschlag dieses Hormonsystem.
00:12:02: Unmittelbar in der Situation oder kurz danach beobachten wir heftige physische Reaktionen.
00:12:08: Das autonome Nervensystem schaltet komplett in den Kampf- oder Fluchtmodus gesteuert durch die Aktivierung im Sympathikus.
00:12:15: Die Betroffenen zeigen handfeste körperliche Symptome wie Zittern, Schwitzen, erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck, Schüttelfrost oder akute Atennot.
00:12:25: Gleichzeitig treten emotionale Reaktionen auf – Hilflosigkeit, ein akuter Orientierungsverlust, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder auch Gereiztheit und Aggression.
00:12:37: Wenn in einer Situation wieder Kampf noch Flucht möglich sind reagiert das System oft unbewusst mit Dissoziation einer Abschaltung von Wahrnehmung und Effekt bis hin zur emotionalen Taubheit und Erstarrung.
00:12:52: Kognitiv äußert sich das in akuten Sprachschwierigkeiten, man bekommt kein Wort mehr heraus, hat Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, Konzentrationsprobleme oder vielleicht sogar mit einer Amnesie – also einem Gedächtnisverlust für bestimmte Details.
00:13:09: Das Vertragte bei der Informationsverarbeitung im Gehirn ist das Gedächnis.
00:13:14: Bei einer Traumatisierung kommt es durch den massiven Stress, wir hatten ja schon vom Cortisol gehört zu einer Überlastung des Hippokampus.
00:13:21: Die Aufgabe des Hippo-Kampus ist das eintreffende Reizer also was du siehst, was du hörst und was du riechst, was deine Haut spürt zusammen zu strukturieren und autobiografisch abrufbar in einen Zusammenhang zu bringen in deinem Gedächtnis.
00:13:38: Weil das System bei einem Traumabe überlastet ist, ist diese übliche Speicherung blockiert.
00:13:45: Die Eindrücke werden nicht im Hypokampus abgelegt, sondern verbleiben in der Nähe der Amygdala.
00:13:53: Diese ist für die Emotionsverarbeitung und vor allem für die somatische Markierung zuständig.
00:13:59: Und das führt dazu, dass diese Gedächtnisinhalte fragmentiert unvollständig abgespeichert werden – im sogenannten impliziten Gedechnis.
00:14:10: Deshalb treten viele dieser ganzen Symptome die wir in einer posttraumatischen oder komplexen, postraumatischem Belastungsstörung erleben – erst nach einer Weile manchmal Monate bis Jahre nach dem auslösenden Ereignis schleichend oder plötzlich auf und werden am Anfang meist gar nicht als Trauma-Folge erkannt.
00:14:32: Ob ein schlimmes Ereignis zu einer dauerhaften Störung führt hängt von vielen Faktoren ab!
00:14:39: Die Wahrscheinlichkeit negativer Folgen wird massiv durch die Schwere und die Art des Ereignisses bestimmt.
00:14:47: Die Wissenschaft unterscheidet hier anhand der Dauer von Typ I und Typ II Traumata.
00:14:54: Typ I-Traumata sind durch ein plötzlich eintretendes einmaliges Ereignis gekennzeichnet, das sich zeitlich klar begrenzen lässt – wie ein Verkehrsunfall-, Raubüberfall-, eine Naturkatastrophe oder eine Übergriffssituation im beruflichen Kontext, der nur einmal aufgetreten ist.
00:15:17: Typ zwei Traumata dagegen bestehen aus einer Reihe von Einzelereignissen oder einem langanhaltenden traumatisierenden Geschehen wie immer wiederholende körperliche seelische Gewalterfahrung in der Kindheit, geiselhaft oder Krieg.
00:15:34: Zusätzlich unterscheidet man zwischen akzidentellen Traumatas die zufällig und ohne menschlichen Vorsatzauftreten wie Lawinen oder technische Katastrophen, und interpersonellen Traumata.
00:15:47: Den sogenannten Manmade Disasters die meistens vorsätzlich von Menschen verursacht werden.
00:15:55: Wenn interpersonelle Faktoren wie ein Bindungsverrat durch nahe Bezugspersonen im Spiel sind ist das Risiko für schwerwiegende Folgen extrem hoch.
00:16:06: Jedoch muss ein schlimmes Ereignis nicht immer zwingt zu einem Dauer Trauma führen.
00:16:11: Oft lassen eigene Selbstteilungskräfte akute Belastungsreaktionen wieder abklingen oder der Betroffene kann das Erlebte zurücklassen, verarbeiten ohne dass es ihm im weiteren Leben bedeutend beeinträchtigt.
00:16:24: Das nennt man psychische Widerstandsfähigkeit, Resilienz die durch gesundheitsfördernde Faktoren wie soziale Unterstützung und die Möglichkeit über das Erlebte zu kommunizieren gestärkt wird.
00:16:37: Resilienz ist aber keine Eigenschaft, die wir einfach haben oder nicht haben.
00:16:41: Es ist immer ein Prozess der durch die Art wie ich lebe und in der Gesellschaft verankert bin entstehen kann.
00:16:50: Erst wenn diese Bewältigungsmechanismen scheitern und die Stress-, Spannung über lange Zeit permanent bestehen bleibt, bedienen sich intensive chronische trauma-bedingte Symptome aus.
00:17:02: Diese teilt die Psychotraumologie in drei große Symptomgruppen ein die einen permanenten, meist auch quälenden Selbstteilungsversuch der Psyche zwischen Konfrontation und Vermeidung darstellen.
00:17:16: Erstens – die intrusive Symptomatik Das sind wiederkehrende unausweichliche Wiedererlebungsphasen von Teilen des Ereignisses.
00:17:26: Das äußert sich in Albträumen, albtraumartigen Tagträumen oder echten Flashbacks, also plötzlichen Erinnerungsbruchstücken.
00:17:36: Meistens wird es ausgelöst durch unbewusste Schlüsselreize, sogenannte Trigger.
00:17:42: Wie ein Geruch, ein Geräusch oder eine dem Trauma ähnliche Situationen.
00:17:47: Plötzlich wird das reaktiviert, das Gehirn schießt den Betroffen zurück und die Situation wird im Hier-und-Jetzt so real durchlebt als würde sie genau in diesem Moment wieder geschehen was heftige Panikattacken auslösen kann.
00:18:01: Manchmal ist es auch so, dass diese bruchstückhaften Erinnerungen so kurz sind, dass sie eher zu einer Reaktion führen bevor man auch nur diese Erinnerung fassen kann.
00:18:11: Ihr seht hier versteckt sich das nächste Wort Trigger.
00:18:15: Auch das ist ein Wort was immer mal wieder aufpoppt im Social Media Bereich und man sich auch mal kritisch mal fragen muss Ist dieses Wort trigger?
00:18:25: Immer im korrekten Zusammenhang mit der Aussage?
00:18:29: Zweitens Die konstruktive Symptomatik.
00:18:34: Das ist Vermeidungsverhalten, die Betroffenen versuchen alles zu umgehen was an das Trauma erinnern kann Gedanken, Gefühle, Orte, Person, Situation manchmal auch die Unfähigkeit das Erlebte in Worte zu fassen oder auch emotionale Distanz gegenüber Mitmenschen.
00:18:49: Manche Menschen erleben Entfremdungsgefühle oder eine emotionale Taubheit.
00:18:58: Das kann zur sozialen Isolation führen oder zu starken Coping-Verhalten und Überlagerung von traumatisierenden Erleben, dass die Patientinnen vielleicht nach außen hin ganz fröhlich und agil wirken.
00:19:13: Und damit eine Maske sich aufgebaut haben.
00:19:17: Drittens Die vegetative Überregung.
00:19:21: Der Körper verbleibt in einer permanenten Dauerstressreaktion der sympathischen Nervensystems.
00:19:27: Das zeigen die meisten Menschen mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörungen.
00:19:38: Also eine in sich gesprochen sehr herausfordernde Situation, die Menschen dort erleben.
00:20:00: Und wenn das chronisch wird reicht die Spontanremission also dass meine mein Körper sich davon regenerieren kann nicht mehr aus.
00:20:09: Dann hilft meist nur eine gezielte Traumotherapie mit speziellen psychotherapeutischen Methoden Die darauf abzielt die Selbstwirksamkeit und den Kontakt zu den eigenen Ressourcen wieder aufzubauen um die traumatischen Ereignisse zu verarbeiten, dass sie in das eigene Leben integriert werden können.
00:20:27: Hierzu muss man wissen – Traumatische Erfahrungen können die Struktur des Gehirns nachhaltig verändern.
00:20:34: Weswegen man Trauma-Volgestörungen in der chronischen Art heute auch zur Neurodiversität zählt?
00:20:42: Weil wir wissen es!
00:20:43: Der Hippocampus, die Amygdala und auch der Präfrontale Cortex anders funktionieren….
00:20:50: Weswegen sich bei Betroffenen auch die Metapher gehalten hat, dass durch die Traumatisierung eine Art Vernarbungstabt gefunden hat.
00:20:59: Die jetzt das Gehirn anders funktionieren lässt.
00:21:02: Natürlich müsst ihr euch das vorstellen, dass da nicht wirklich Narben im Gehirnt sind.
00:21:06: Es ist eher eine Metaphar damit gemeint.
00:21:09: Diese ganzen Symptome von denen ich gerade gesprochen habe, die im Gehörn passieren und die Menschen erleben, sind eigentlich der verzweifelte Versuch des Gehirns mit dieser ... Belastenden Situationen mit diesen Erinnerungsbruchstücken zurechtzukommen.
00:21:22: Weswegen unter vielen Betroffenen auch der Begriff Surviving Syndrome genutzt wird, also Überlebenssyndrom.
00:21:29: Weil die Strategien von Fight, Flight oder Freeze waren Strategien, die man damals genutst hat um in einer belastenden und schwierigen Situation zu überleben.
00:21:43: Nur jetzt machen diese Strategien nicht mehr so viel Sinn!
00:21:47: Sie sind praktisch das Echo der Vergangenheit.
00:21:52: Die Traumatherapie arbeitet in drei verschiedenen Phasen, erst wird versucht die Situation zu stabilisieren wo die Patientinnen Techniken lernen Entspannungsübungen lernen mit Trauma-Bildern Ängsten Albträumen Schlaflosigkeit umzugehen.
00:22:10: dann geht es um Traumaaufarbeitung wenn die Person stabil ist, dass man mit Konfrontation arbeitet um die Fragment im Gedächtnis kognitiv besser zu verarbeiten.
00:22:26: Und zum Schluss die Integrationsphase in der man lernt wie man neue Lebenseignisse machen kann, wie man Vermeidungsmuster abbauen kann und wie man auch Rückfallvorbeugung machen kann gerade für eine bessere Lebens- und Zukunftsperspektive.
00:22:42: So weit der theoretische und klinische Überblick um das Thema Trauma damit wir alle das einmal sauber sortieren können.
00:22:51: Abgrenzen von Alltagsmythen, ich glaube es ist deutlich geworden wo der Unterschied ist und Ich möchte noch mal betonen selbstverständlich gibt es Erlebnisse Wo auf dem ersten Blick man vielleicht sagen könnte Ist das wirklich ein Trauma?
00:23:03: Und auf den zweiten Blick sagt ja wahrscheinlich schon.
00:23:06: Ich muss einfach mal an viele viele Ereignisse der letzten Monate aus den sozialen Medien nachdenken wo's um Gewisse Form von sexualisierter Gewalt geht, auch das kann nachhaltig nicht nur belasten sondern auch traumatisierend für Betroffene sein.
00:23:26: Wenn man auch an Mobbing denkt, auch dass kann sehr weitreichende Folgen haben.
00:23:31: Mir geht es immer nur darum wenn zum Beispiel aus dem stimmtherapeutischen Bereich eine Stimmkrise gleich als Trauma verkauft wird.
00:23:40: Und ich finde, es ist das falsche Wording.
00:23:42: Erstens sollte dem Begriff Trauma im klinischen Kontext immer nur von psychologischem Psychotherapeut in Psychate genutzt werden nach einer eingehenden Diagnostik.
00:23:52: und es auch nicht meine Aufgabe als Atem- sprich Stimmlehrer darüber zu entscheiden ob jemand ein Trauma hat oder nicht.
00:23:59: Ich bin nur irritiert wenn Menschen so freigiebig mit den begriffen Trigger und Trauma sind.
00:24:06: Genau an diesem Punkt machen wir das nächste mal weiter war jetzt erst mal ganz schön viel und du musst das Ganze verarbeiten.
00:24:14: In der kommenden Folge spreche ich ganz gezielt über die posttraumatische Belastungsstörung, und die komplexe posttrau- matische Belastungsstörungen.
00:24:22: Wir schauen uns genau an wo die Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen liegen was chronischer Dauerstress mit der Psyche macht Und wie sich diese tiefen Traumafolge Störung ganz konkret im Alltag äußern.
00:24:34: Bis dahin achte gut auf dich Atme jetzt auf jeden Fall ein bisschen durch Nächste Woche wieder hier bei Stimmkonto Ungefetert.
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